Dispensaire: Was ist das? USA, New York bis Los Angeles + Exklusives Interview Gründer Cannabis Partei

Dispensaires USA –  Heute gehören Dispensaries in vielen Ländern und Regionen zum Stadtbild. Kartenzahlung, Sicherheitspersonal, Sortenkarten und geschultes Personal wirken selbstverständlich. Doch dieser Status ist nicht einfach durch Gesetze entstanden. Dispensaries waren lange da, bevor Politik reagierte – als Antwort auf ein medizinisches Versorgungsproblem. Hier alles zu Dispensaries in den USA mit exklusivem Interview von US-Star Redman, Mitbegründer der ersten föderalen Cannabispartei in den USA.

Warum Dispensaries heute überall sind

Egal ob auf unserer Kalifornien Tour mit Weedland oder im Interview mit US-Star Redman zur Cananbis Partei, auf dieses Wort trifft man immer wieder: Dispensaires! Doch was ist das? Woher kommen sie? Was machen sie?

Was heute wie ein normaler Versorgungsort wirkt, begann als ziviler Ungehorsam. Dispensaries sind nicht das Ergebnis moderner Legalisierung, sondern ihr Auslöser. Sie entstanden dort, wo der Staat keine Lösungen bot und Patienten allein ließ.

Die zentrale Frage lautet deshalb nicht, wann Cannabis legal wurde, sondern warum Menschen bereit waren, dafür Risiken einzugehen.

  1. Medizinischer Bedarf
  2. Fehlende staatliche Hilfe
  3. Selbstorganisierte Versorgung

Dispensaries: Woher kommen sie?

In den 1970er- und 1980er-Jahren dominierten in den USA harte Drogengesetze. Die „War on Drugs“-Politik setzte auf Nulltoleranz, unabhängig von medizinischen Bedürfnissen. Cannabis galt pauschal als illegale Substanz. Für chronisch kranke Menschen bedeutete das: kein Zugang, keine Qualitätssicherung und keine rechtliche Absicherung.

Wer Cannabis nutzte, tat dies im Verborgenen.

  • Striktes Verbot
  • Kein Patientenschutz
  • Unkontrollierte Produkte

Der Wendepunkt durch die AIDS-Krise

In den 1980er-Jahren traf die AIDS-Epidemie Städte wie San Francisco besonders hart. Viele Patienten litten unter massivem Gewichtsverlust, starken Schmerzen und Übelkeit. Cannabis zeigte lindernde Wirkung, war aber weiterhin verboten. Aus dieser Not heraus entstanden informelle Netzwerke, die Versorgung über Solidarität organisierten.

  • Akute medizinische Not
  • Gemeinschaft statt Staat
  • Versorgung aus Eigeninitiative

Die ersten Dispensaries im Untergrund

Die ersten Dispensaries waren keine Geschäfte im klassischen Sinn. Sie befanden sich in Wohnungen, Hinterzimmern, Kirchen oder Garagen. Statt Verkauf gab es Registrierung, statt Preisen freiwillige Spenden. Vertrauen war wichtiger als Marketing, Schutz wichtiger als Profit.

  • Private Räume
  • Spendenmodell
  • Patientenfokus

Dennis Peron und die Politisierung

Eine zentrale Figur dieser Bewegung war Dennis Peron. Er verband Versorgung mit politischem Aktivismus und machte das Thema öffentlich. Mit der Proposition 215 wurde medizinisches Cannabis in Kalifornien teilweise legalisiert. Dispensaries verließen den Untergrund, blieben aber rechtlich unsicher.

  • Aktivismus
  • Politischer Druck
  • Erste Gesetzesänderungen

Cannabis in den USA damals

Rechtliche Grauzonen statt Sicherheit

Trotz Legalisierung auf Landesebene blieb Cannabis auf Bundesebene illegal. Das führte zu Razzien, Unsicherheit und widersprüchlichen Regeln. Betreiber riskierten Haftstrafen, Banken verweigerten Konten – trotzdem blieben Dispensaries bestehen, weil Patienten sie brauchten. So kam es letztendlich vom Aktivismus zur Struktur.

Mit der Zeit professionalisierten sich Dispensaries. Labortests, dokumentierte Chargen und detaillierte Sortenprofile wurden Standard. Personal wurde geschult, medizinische Beratung rückte stärker in den Fokus. Die Dispensary entwickelte sich zum Wissens- und Aufklärungsort.

  • Bund vs. Länderrecht
  • Finanzielle Hürden
  • Rechtsunsicherheit

Unterschied zur klassischen Cannabis Apotheke?

Dispensaries verstehen sich nicht nur als Ausgabestelle. Beratung, Erfahrung und individuelle Bedürfnisse stehen im Mittelpunkt. Der Unterschied zur klassischen Cannabis Apotheke, statt standardisierter Dosierungen geht es um persönliche Gespräche und Anpassung an Symptome und Alltag.

  • Individuelle Beratung
  • Erfahrungswissen
  • Patientenorientierung

Dispensary USA

Cannabis Apotheke in Deutschland

Interview: US Hip Hop Star Redman zu Dispensaries

Was sagt eine echte Cannabis Legende?

Cannabis Partei USA: Vom US-Star zum Aktivist

Im Interview (unten) spricht Redman, bekannt unter anderem aus dem Hollywood Cannabis Klassiker How High, offen über die Entwicklung moderner Dispensaries und über die politische Realität der Cannabis-Industrie in den USA. Gemeinsam mit seiner Schwester ist er Mitgründer der United Empowerment Party, der ersten föderal anerkannten Cannabis-Partei. Ihr Ziel ist es, Cannabis dauerhaft aus der staatlichen Einstufung zu lösen und echte politische Mitbestimmung für die Branche zu schaffen.

„Wir sind die erste föderal anerkannte Cannabis-Partei. Nicht anders als Demokraten oder Republikaner.“

Einstufung von Cannabis in den USA

Besonders kritisch sieht Redman die Tatsache, dass Cannabis in den USA weiterhin unter Schedule I geführt wird [Update Redaktion, mittlerweile ist es auf Schedule III herabgestuft]. Damit steht die Pflanze offiziell in einer Kategorie mit Substanzen wie Heroin – trotz medizinischer Nutzung, Millionen von Patienten und legaler Märkte in zahlreichen Bundesstaaten.

„Cannabis war über fünfzig Jahre auf Schedule I – als hätte es keinen medizinischen Nutzen.“

Diese Einstufung hat konkrete Folgen. Hohe regulatorische Hürden, eingeschränkter Marktzugang und fehlende bundesweite Regeln sorgen dafür, dass Dispensaries und Patienten ständig in rechtlicher Unsicherheit leben. Gleichzeitig bleibt der Schwarzmarkt bestehen, weil legale Strukturen künstlich ausgebremst werden.

„Solange Cannabis auf Schedule I steht, wird es immer Ungerechtigkeit in der Industrie geben.“

Redmans Forderung ist klar: vollständige Entlistung von Cannabis, gleiche Chancen für Anbauer, Betreiber und Patienten – medizinisch, wirtschaftlich und gesellschaftlich.

  • Schedule I als Kernproblem
  • Politische Mitbestimmung der Branche
  • Faire Chancen für alle Beteiligten

Werden Dispensaries zur großen Industrie?

Zum ersten Mal entsteht in den USA ein vollständig regulierter Cannabismarkt. Damit beginnt eine neue Phase: Cannabis wird zur Industrie.

Der Einstieg großer Investoren

Zwischen 2013 und 2018 fließen laut Viridian Capital Advisors über 10 Milliarden US-Dollar in Cannabisunternehmen in Nordamerika. Das Kapital kommt nicht aus der Szene, sondern aus Private Equity, Venture Capital und Family Offices.

Ein frühes Beispiel ist MedMen. Das Unternehmen wird 2018 mit rund 1,6 Milliarden US-Dollar bewertet und expandiert aggressiv über mehrere Bundesstaaten.

  • Institutionelles Kapital
  • Schnelle Expansion
  • Wachstum vor Profit

MedMen als Blaupause

MedMen investiert massiv in Marketing, Store-Design und Markenaufbau. Zwischen 2017 und 2019 fließen über 150 Millionen US-Dollar allein in PR und Ladenbau. Operativ schreibt das Unternehmen hohe Verluste. Wachstum wird über Kapitalzufuhr finanziert, nicht über Gewinne. 2021 folgt die Insolvenz nach Chapter 11.

  • Hohe Marketingkosten
  • Dauerverluste
  • Insolvenz trotz Marke

Multi-State Operators übernehmen

Parallel entstehen sogenannte Multi-State Operators, kurz MSOs. Dazu gehören Curaleaf, Trulieve, Green Thumb Industries, Cresco Labs und Verano. Diese Cannabis Unternehmen sind börsennotiert, betreiben teilweise über hundert Dispensaries und verfügen über professionelle Strukturen.

  • Börsennotiert
  • Mehrere Bundesstaaten
  • Zentralisierte Kontrolle

So sieht der größte Weed Store der Welt aus, Planet 13 in Las Vegas:

Strukturelle Vorteile großer Cannabis Ketten

Der Wettbewerbsvorteil liegt nicht im Produkt, sondern in der Organisation. MSOs verfügen über eigene Rechtsabteilungen, Zugang zu Kapital und politische Netzwerke. Zusätzlich setzen sie auf vertikale Integration: Anbau, Verarbeitung und Verkauf aus einer Hand.

Was macht es so schwer? Lizenzkosten als Eintrittshürde

In Bundesstaaten wie Illinois oder New York sind die Anforderungen für Dispensary-Lizenzen extrem hoch. Antragsgebühren, Sicherheitskonzepte und Liquiditätsnachweise kosten Millionen. Social-Equity-Programme vergeben zwar Lizenzen, lassen Antragsteller aber oft ohne Finanzierung zurück. Investoren übernehmen dann über Managementverträge faktisch die Kontrolle.

  • Hohe Startkosten
  • Kapitalabhängigkeit
  • Formale vs. reale Kontrolle

Steuern als Belastung für kleine Anbieter

In Kalifornien zahlen Dispensaries mehrere Ebenen an Steuern: Excise Tax, Umsatzsteuer und kommunale Abgaben. Zusätzlich greift der IRS Code 280E. Dieser verhindert, dass Cannabisunternehmen Betriebsausgaben steuerlich absetzen können. Die effektive Steuerlast liegt oft bei 60 bis 70 Prozent.

  • Mehrfachbesteuerung
  • IRS Code 280E
  • Existenzdruck

Schließungen trotz Legalisierung

Zwischen 2019 und 2023 schließen in Kalifornien über 1.000 lizenzierte Dispensaries. Nicht wegen fehlender Nachfrage, sondern wegen wirtschaftlicher Untragbarkeit. Große Ketten überleben durch Skalierung, kleine Betriebe verschwinden.

  • Marktkonzentration
  • Verdrängung
  • Weniger Vielfalt

Marketing als Machtfaktor

Da klassische Werbung stark eingeschränkt ist, entscheidet Sichtbarkeit über Erfolg. Große Unternehmen sichern sich Premium-Lagen, Sponsoring und Influencer. In Städten wie Las Vegas liegen Dispensaries großer Ketten direkt an touristischen Hotspots, unabhängige Anbieter weit außerhalb.

  • Top-Lagen
  • Markenbekanntheit
  • Ungleiche Sichtbarkeit

Wer außen vor bleibt

Laut ACLU gehören weniger als 5 Prozent der Cannabisunternehmen in den USA schwarzen Eigentümern – trotz jahrzehntelanger Kriminalisierung. Sozialprogramme scheitern häufig an Bürokratie, Finanzierung und fehlender politischer Rückendeckung.

  • Ungleiche Chancen
  • Kapitalmangel
  • Strukturelle Benachteiligung