Cannabis Epilepsie: CBD, Anfälle & welche Studien belegen es?
Epilepsie zählt zu den Erkrankungen, bei denen medizinisches Cannabis – und insbesondere Cannabis Epilepsie Therapie – in den letzten Jahren weltweit an Aufmerksamkeit gewonnen hat. Besonders CBD, der nicht-psychoaktive Wirkstoff der Hanfpflanze, steht dabei im Mittelpunkt klinischer Forschung und gibt vielen Betroffenen neue Hoffnung. Wer sich allgemein über den medizinischen Einsatz von Cannabis informieren möchte, findet auf cannazen.de auch Beiträge zu Schmerzmittel vs Cannabis, zum Cannabis Erstgespräch beim Arzt sowie zu den fast 300 genehmigten Cannabis Clubs in Deutschland.
Was hat Cannabis mit Epilepsie zu tun?
Epilepsie ist eine neurologische Erkrankung, bei der es zu wiederkehrenden, unkontrollierten Anfällen kommt. Diese entstehen durch übermäßige elektrische Entladungen im Gehirn. Konventionelle Antiepileptika helfen vielen Patienten, doch ein erheblicher Teil – Schätzungen zufolge rund 30 Prozent – spricht nicht ausreichend auf klassische Medikamente an. Genau hier setzt die Forschung zu cannabisbasierten Wirkstoffen an.
Wie wirkt CBD im Gehirn?
CBD (Cannabidiol) interagiert mit dem Endocannabinoid-System des menschlichen Körpers, beeinflusst aber auch andere Rezeptoren wie den GPR55-Rezeptor und Ionenkanäle, die an der Entstehung von Anfällen beteiligt sind. Im Gegensatz zu THC macht CBD nicht „high” und gilt pharmakologisch als gut verträglich. Forscher vermuten, dass CBD die neuronale Übererregbarkeit dämpft – ein zentraler Mechanismus bei der Anfallsentstehung.
„CBD wirkt auf mehrere Rezeptorsysteme gleichzeitig und kann so möglicherweise die elektrische Übererregbarkeit von Nervenzellen reduzieren.”
Welche Studien belegen die Wirksamkeit?
Die wissenschaftliche Datenlage zu CBD und Epilepsie ist inzwischen solider als bei vielen anderen Anwendungsgebieten von Cannabis. Mehrere klinische Studien, vor allem zu schwer behandelbaren Epilepsieformen bei Kindern und Jugendlichen, liefern überzeugende Ergebnisse.
- Dravet-Syndrom: In einer randomisierten, kontrollierten Studie (Devinsky et al., publiziert im New England Journal of Medicine) zeigte CBD eine signifikante Reduktion konvulsiver Anfälle gegenüber Placebo. Die Anfallsfrequenz sank bei CBD-Patienten um durchschnittlich 39 Prozent.
- Lennox-Gastaut-Syndrom: Zwei große Phase-III-Studien belegten, dass CBD die Gesamtanfallslast bei dieser schweren Epilepsieform deutlich senkt – ebenfalls im Vergleich zu Placebo statistisch signifikant.
- Therapieresistente Epilepsie allgemein: Eine Beobachtungsstudie aus dem Expanded Access Program der USA zeigte, dass rund 50 Prozent der Teilnehmer eine mindestens 50-prozentige Anfallsreduktion erlebten.
- Langzeitdaten: Folgestudien deuten darauf hin, dass die Wirksamkeit von CBD über mehrere Jahre erhalten bleibt und sich keine relevante Toleranzentwicklung zeigt.
Auf Basis dieser Studienlage erhielt das CBD-Präparat Epidyolex (in den USA: Epidiolex) als erstes pflanzliches Cannabismedikament die Zulassung durch die europäische Arzneimittelbehörde EMA sowie die US-amerikanische FDA – ein Meilenstein für die Cannabis-Medizin.

THC vs. CBD: Welcher Wirkstoff ist bei Epilepsie relevant?
Während CBD im Fokus der Epilepsieforschung steht, spielt THC bei dieser Indikation eine untergeordnete Rolle. THC kann in höheren Dosen sogar prokonvulsiv wirken, also Anfälle begünstigen. Deshalb werden bei der Epilepsietherapie in der Regel isolierte CBD-Präparate mit möglichst geringem THC-Anteil eingesetzt. Das unterscheidet diesen Anwendungsbereich deutlich von anderen medizinischen Einsatzgebieten, bei denen das Zusammenspiel verschiedener Cannabinoide – der sogenannte Entourage-Effekt – als vorteilhaft gilt.
„Für die Epilepsietherapie gilt: Je reiner das CBD-Präparat und je geringer der THC-Gehalt, desto besser die Verträglichkeit – insbesondere bei Kindern.”
Anwendung in der Praxis: Was müssen Patienten wissen?
In Deutschland ist Epidyolex verschreibungspflichtig und wird von Neurologen oder Neuropädiatern verordnet. Es handelt sich nicht um ein frei käufliches CBD-Öl aus dem Drogeriemarkt – die Qualität, Dosierung und Reinheit sind bei zugelassenen Arzneimitteln streng reguliert. Wer überlegt, eine CBD-basierte Therapie anzusprechen, sollte dies unbedingt im Rahmen eines medizinischen Fachgesprächs tun. Zu beachten ist außerdem, dass nicht jede Epilepsieform gleich gut auf CBD anspricht; die stärkste Evidenz besteht derzeit für das Dravet-Syndrom und das Lennox-Gastaut-Syndrom.

Fazit
Die Forschung zu Cannabis und Epilepsie hat in den vergangenen Jahren bemerkenswerte Fortschritte gemacht. CBD ist heute das erste pflanzliche Cannabinoid mit behördlich anerkannter Zulassung für eine spezifische neurologische Erkrankung. Für Betroffene mit therapieresistenter Epilepsie kann es eine echte Behandlungsoption sein – vorausgesetzt, die Therapie erfolgt unter ärztlicher Aufsicht und mit zugelassenen Präparaten.
Häufige Fragen
Kann CBD Epilepsieanfälle vollständig stoppen?
In den meisten Fällen wird keine vollständige Anfallsfreiheit erreicht, aber eine deutliche Reduktion der Anfallshäufigkeit ist bei einem erheblichen Teil der Patienten möglich. Klinische Studien zeigen, dass rund 40–50 Prozent der Betroffenen auf CBD ansprechen und eine signifikante Verbesserung erleben.
Ist CBD-Öl aus dem Handel genauso wirksam wie verschreibungspflichtiges Epidyolex?
Nein – frei verkäufliche CBD-Produkte sind in Dosierung, Reinheit und Qualität nicht mit dem zugelassenen Arzneimittel vergleichbar. Für eine medizinisch kontrollierte Epilepsietherapie sollte ausschließlich das von einem Arzt verordnete Präparat verwendet werden.
Ab welchem Alter kann CBD bei Epilepsie eingesetzt werden?
Epidyolex ist in der EU für Patienten ab zwei Jahren zugelassen, die an Dravet-Syndrom oder Lennox-Gastaut-Syndrom leiden. Die Dosierung wird vom behandelnden Arzt individuell angepasst und regelmäßig überprüft.



















