Saigon und Heroin während des Vietnamkriegs
Während des Vietnamkriegs war Heroin in Saigon so rein und billig, dass viele US-Soldaten abhängig wurden. In den USA wuchs die Angst vor einer „Junkie-Armee“, die nach Kriegsende heimkehren würde. Doch die meisten Veteranen wurden zu Hause nicht rückfällig, und diese Beobachtung veränderte die Suchtforschung. Mehr Crime Stories? Jetzt in Zen’s Einschlafen Podcast.
Extrem reines Heroin, extrem niedrige Hürden
Ab Ende der 1960er-Jahre war in Saigon und weiten Teilen Südvietnams außergewöhnlich reines und günstiges Heroin aus dem nahen Goldenen Dreieck zu haben. Wegen der hohen Reinheit ließ es sich rauchen oder schnupfen, statt es zu spritzen. Für viele Soldaten senkte das die Hemmschwelle deutlich.
Schon gewusst? Zeitgenössische Schätzungen gingen davon aus, dass zeitweise zehn bis fünfzehn Prozent der US-Soldaten in Vietnam heroinabhängig waren. Die spätere Untersuchung von Lee Robins kam auf rund 20 Prozent, die in Vietnam Anzeichen einer Abhängigkeit zeigten.
Die Angst vor der „Junkie-Armee“
In den USA fürchtete man, zehntausende abhängige Veteranen könnten nach ihrer Rückkehr eine neue Drogenwelle auslösen. Gleichzeitig nutzten Händler die Kontakte nach Südostasien: Frank Lucas aus Harlem etwa brachte nach eigenen Angaben Heroin direkt aus der Region in die USA.
- Reines, leicht verfügbares Heroin in Saigon ab Ende der 1960er-Jahre
- Geschätzte Abhängigkeitsrate von zehn bis 20 Prozent unter US-Soldaten
- Wachsende politische Sorge um heimkehrende Veteranen
Operation Golden Flow
1971 führte die Nixon-Regierung „Operation Golden Flow“ ein: Alle Soldaten mussten vor dem Rückflug in die USA einen Urintest abgeben. Wer positiv getestet wurde, kam zuerst in eine Entzugseinrichtung. Es war eine der ersten groß angelegten Drogentest-Aktionen im US-Militär.
Eine überraschende wissenschaftliche Erkenntnis
Die Psychiaterin Lee Robins begleitete heimgekehrte Soldaten über Jahre. Ihr Ergebnis überraschte: Nur rund fünf Prozent derer, die in Vietnam abhängig gewesen waren, wurden im ersten Jahr zu Hause wieder abhängig. Das widersprach der damaligen Annahme, Heroinsucht sei praktisch unheilbar. Die Studie gilt seither als wichtiger Beleg dafür, wie stark Umgebung und Lebensumstände Sucht beeinflussen.
- 1971: Pflicht-Drogentests durch Operation Golden Flow
- Robins‘ Studie: nur etwa fünf Prozent Rückfälle im ersten Jahr
- Bis heute zitiert, wenn es um Sucht und Umgebung geht
Saigon und Heroin: ein überraschendes Erbe der Suchtforschung
Aus der befürchteten Drogenwelle wurde eine der meistzitierten Studien der Suchtforschung. Sie zeigt, dass ein Wechsel der Umgebung Rückfälle deutlich seltener machen kann. Moderne Therapien greifen das bis heute auf, etwa indem sie Auslöser im Alltag gezielt verändern.































