Timothy Leary: Der LSD-Guru, den Nixon „gefährlichsten Mann Amerikas“ nannte
US-Präsident Richard Nixon nannte ihn den „gefährlichsten Mann Amerikas“. Timothy Leary begann als angesehener Harvard-Psychologe, der LSD wissenschaftlich erforschte – und wurde zum wichtigsten öffentlichen Fürsprecher der psychedelischen Bewegung der 1960er-Jahre. Seine Flucht aus einem amerikanischen Gefängnis mit Hilfe einer radikalen Untergrundgruppe führte ihn bis nach Afghanistan, bevor er gefasst wurde. Am Ende seines Lebens ließ er sich sogar mit einer Rakete ins Weltall schießen. Wie ein Wissenschaftler zum Symbol der Gegenkultur wurde, erfährst du hier.
Der Harvard-Professor, der LSD erforschte
Timothy Leary wird am 22. Oktober 1920 in Springfield, Massachusetts, geboren und macht sich zunächst als ernstzunehmender akademischer Psychologe einen Namen. Ab 1960 leitet er gemeinsam mit seinem Kollegen Richard Alpert das sogenannte Harvard Psilocybin Project, eine wissenschaftliche Studie zur Wirkung psychedelischer Substanzen auf das menschliche Bewusstsein – zu dieser Zeit noch ein anerkanntes, wenn auch umstrittenes Forschungsfeld.
Schon gewusst? Zu den Teilnehmern früher Experimente Learys gehörten auch bekannte Schriftsteller und Künstler, die im Rahmen der Studien psychedelische Erfahrungen unter kontrollierten Bedingungen machten – ein Umstand, der Leary früh Kontakte in die literarische und künstlerische Szene der USA verschaffte.
Der Rauswurf aus Harvard
1963 wird Leary von Harvard entlassen, nachdem bekannt wird, dass Experimente zunehmend unkontrolliert auch mit Studierenden außerhalb des offiziellen Forschungsrahmens durchgeführt wurden. Der Vorfall markiert den Bruch zwischen Learys wissenschaftlicher Karriere und seinem zunehmend aktivistischen zweiten Lebensabschnitt.
- Geboren 22. Oktober 1920 in Springfield, Massachusetts
- Leitung des Harvard Psilocybin Project ab 1960
- 1963: Entlassung von Harvard wegen unkontrollierter Experimente
„Turn On, Tune In, Drop Out“
Beim Human Be-In im Januar 1967 in San Francisco – dem direkten Vorboten des Summer of Love – prägt Leary den Slogan „Turn On, Tune In, Drop Out“, der zur wohl bekanntesten Losung der gesamten psychedelischen Bewegung wird. Er gründet die „League for Spiritual Discovery“, eine Organisation, die LSD-Konsum explizit als religiöse Praxis rahmt, um sich rechtlich gegen Verfolgung abzusichern – ein Versuch, der bei den Behörden wenig Anklang findet.
Nixons „gefährlichster Mann Amerikas“
Mit wachsendem öffentlichem Einfluss wird Leary zunehmend zur Zielscheibe der US-Regierung. Präsident Richard Nixon bezeichnet ihn Anfang der 1970er-Jahre öffentlich als „den gefährlichsten Mann Amerikas“ – eine Einschätzung, die weniger mit tatsächlicher krimineller Energie als mit Learys enormem kulturellem Einfluss auf die junge Generation zu tun hat.
- 1967: Prägung des Slogans „Turn On, Tune In, Drop Out“
- Gründung der „League for Spiritual Discovery“
- Von Nixon öffentlich als „gefährlichster Mann Amerikas“ bezeichnet
Flucht mit Hilfe radikaler Untergrundkämpfer
1970 wird Leary wegen Marihuana-Besitzes zu zehn Jahren Haft verurteilt. Noch im selben Jahr gelingt ihm mit Unterstützung der militanten linksradikalen Gruppe Weather Underground die Flucht aus einer Haftanstalt mit niedriger Sicherheitsstufe in Kalifornien. Es folgt eine mehrjährige Odyssee als internationaler Flüchtling.
Von Algerien nach Afghanistan
Zunächst sucht Leary Asyl bei Eldridge Cleaver, einem im algerischen Exil lebenden Anführer der Black Panther Party – eine Verbindung, die sich schnell als problematisch erweist, da sich beide politisch und persönlich zunehmend entfremden. Über die Schweiz führt seine Flucht ihn schließlich bis nach Afghanistan, wo er 1973 von US-Behörden gefasst und in die USA zurückgebracht wird.
Vom Häftling zum Internet-Philosophen
1976 wird Leary vorzeitig aus der Haft entlassen. In den folgenden Jahrzehnten wendet er sich zunehmend der aufkommenden Computertechnologie zu und beschreibt den Personal Computer und später das Internet als die „neue LSD“ – eine Metapher für individuelle Bewusstseinserweiterung durch Technologie statt durch Substanzen. Diese Neuausrichtung macht ihn zu einer respektierten Figur der frühen digitalen Kultur, weit über seinen ursprünglichen Ruf als Drogen-Guru hinaus.
Schon gewusst? 1970 kandidierte Leary aus dem Gefängnis heraus für das Amt des Gouverneurs von Kalifornien gegen Ronald Reagan. John Lennon schrieb für seine Kampagne einen Song mit dem Titel „Come Together“, der später als Beatles-Song weltberühmt wurde.
Timothy Learys Erbe: Tod und Reise ins All
Timothy Leary stirbt am 31. Mai 1996 an Prostatakrebs. Ein Teil seiner Asche wird 1997 zusammen mit der Asche von Star-Trek-Schöpfer Gene Roddenberry im Rahmen einer symbolischen Weltraumbestattung mit einer Rakete ins All geschossen – ein passender letzter Akt für einen Mann, dessen gesamtes Lebenswerk um die Erweiterung menschlicher Grenzen kreiste. Sein Einfluss auf die psychedelische Bewegung, aber auch auf die frühe Technologiekultur, wirkt bis heute weit über die Grenzen der eigentlichen Drogenkultur hinaus.

























