Cannabis & Blutdruck: senkt oder erhöht es ihn wirklich?
Cannabis erhöht den Blutdruck und vor allem den Puls zunächst kurz, danach kann der Druck unter den Ausgangswert fallen, besonders beim Aufstehen. Als Blutdrucksenker taugt es nicht, und zusammen mit Blutdruckmitteln kann es Schwindel verstärken. Das ist wichtig für alle, die regelmäßig kiffen oder Medizinisches Cannabis in Betracht ziehen. Auch andere Effekte, etwa auf Cannabis & Konzentration, hängen teils mit dem Kreislauf zusammen. Unten liest du, was Studien zeigen, welche Wechselwirkungen möglich sind und wann du ärztlichen Rat brauchst. Den größeren Zusammenhang findest du im Ratgeber Cannabis und Herz.
- Was passiert im Körper beim Konsum?
- Die kurzfristige Reaktion: Anstieg zuerst
- Die mittelfristige Reaktion: Blutdruckabfall
- Wie lange hält der Effekt an?
- Cannabis bei Bluthochdruck: Risiko oder Chance?
- Was sagen Studien zu Cannabis und Blutdruck?
- Was bedeutet das für dich?
- Welche Rolle spielt CBD gegenüber THC?
- CBD und der Blutdruck
- THCA, Hanftee und Hanfsamen
- Cannabis und Blutdruckmedikamente: Wechselwirkungen
- Welche Medikamente betroffen sein können
- Risikogruppen: Wer besonders aufpassen sollte
- Warnzeichen: Wann du Hilfe brauchst
- Entzug: Steigt der Blutdruck beim Aufhören?
- Cannabis & Blutdruck: das Wichtigste auf einen Blick
- Cannabis Blutdruck: häufige Fragen
Was passiert im Körper beim Konsum?
Sobald THC in den Blutkreislauf gelangt, bindet es an Cannabinoid-Rezeptoren im zentralen Nervensystem und in den Gefäßwänden. Das löst eine Reihe von Reaktionen aus, die direkt den Blutdruck und die Herzfrequenz beeinflussen. Der Sympathikus wird aktiviert, das Herz schlägt schneller, gleichzeitig weiten sich die Blutgefäße. Diese gegensätzlichen Effekte machen die Wirkung auf den Blutdruck so komplex.
Die kurzfristige Reaktion: Anstieg zuerst
In den ersten Minuten nach dem Konsum kommt es bei den meisten Menschen zu einem kurzzeitigen Anstieg des Blutdrucks und einer deutlich erhöhten Herzfrequenz. In Studien steigt der Puls dabei häufig um 20 bis 50 Schläge pro Minute. Viele berichten von einem Kribbeln oder Wärmegefühl im Körper. Dieser Effekt ist besonders bei unerfahrenen Konsumenten ausgeprägt und kann sich als unangenehmes Herzrasen bemerkbar machen.
Kurzfristig erhöht Cannabis den Blutdruck und die Herzfrequenz: Langfristig bei regelmäßigem Konsum zeigt sich jedoch ein anderes, komplexeres Bild.
Die mittelfristige Reaktion: Blutdruckabfall
Einige Minuten bis Stunden nach dem Konsum dreht sich die Reaktion oft um: Die Blutgefäße erweitern sich weiter, der Blutdruck kann unter den Ausgangswert sinken. Dieses Phänomen nennt sich orthostatische Hypotonie und erklärt, warum manchen Menschen nach dem Aufstehen kurz schwarz vor Augen wird oder sie sich schwindelig fühlen. Wer unter niedrigem Blutdruck leidet, sollte hier besonders vorsichtig sein. Steh nach dem Konsum lieber langsam auf und setz dich bei Schwindel sofort hin.
Wie lange hält der Effekt an?
Beim Rauchen oder Vaporisieren setzt die Kreislaufwirkung nach wenigen Minuten ein, ihren Höhepunkt erreicht die Herzfrequenz meist innerhalb der ersten halben Stunde. Insgesamt klingt der Effekt nach etwa ein bis drei Stunden ab. Bei THC Edibles beginnt die Wirkung erst nach 30 bis 90 Minuten, hält dafür aber vier bis acht Stunden an. Wie sich das insgesamt anfühlt, beschreibt der Beitrag Bekifft sein.
- Rauchen, Vaporisieren: schnell, kürzer
- Edibles: verzögert, länger
- Puls-Höhepunkt: erste halbe Stunde
Cannabis bei Bluthochdruck: Risiko oder Chance?
Menschen mit Hypertonie fragen sich häufig, ob Cannabis therapeutisch genutzt werden kann oder ob es ihren Zustand verschlimmert. Eine einfache Antwort gibt es nicht. Cannabis ist in Deutschland nicht zur Behandlung von Bluthochdruck zugelassen, und gute Langzeitstudien zur Blutdrucksenkung fehlen. Als Blutdrucksenker eignet es sich deshalb nicht, auch wenn das im Netz immer wieder behauptet wird.
- Akuter Konsum erhöht kurzfristig Blutdruck und Puls
- CBD kann den Blutdruck leicht senken
- Chronischer Konsum führt zu Gewöhnung, Effekt schwächer
- Wechselwirkungen mit Blutdruckmitteln ärztlich abklären
Wer also Cannabis als Teil einer medizinischen Therapie in Betracht zieht, sollte unbedingt Rücksprache mit einem Arzt halten: insbesondere bei bestehenden Herzerkrankungen oder der Einnahme von Blutdruckmitteln. Ein gut eingestellter, leichter Bluthochdruck schließt eine ärztlich begleitete Cannabistherapie nicht automatisch aus. Bei unkontrolliertem oder schwerem Bluthochdruck raten Ärzte in der Regel ab.

Was sagen Studien zu Cannabis und Blutdruck?
Die Forschung zeigt kein einheitliches Bild, sondern je nach Zeitpunkt, Dosis und Konsummuster unterschiedliche Effekte. Einige Studien sind klein oder beruhen auf Befragungen, sie zeigen also Zusammenhänge und keine Ursachen. Trotzdem ergeben sich klare Muster, die für dich als Patient relevant sind. Die wichtigsten Ergebnisse im Überblick.
Was bedeutet das für dich?
Für gesunde junge Menschen ist der kurzfristige Blutdruckanstieg meist unproblematisch. Anders sieht es aus, wenn das Herz bereits vorbelastet ist: Dann kann die zusätzliche Arbeit für Herz und Gefäße zum Risiko werden. Das Rauchen selbst belastet die Gefäße zusätzlich, weshalb Ärzte eher zum Vaporisieren raten. Mehr zu Infarkt und Herzrhythmus liest du im Beitrag zu Marihuana Herzrasen.
Welche Rolle spielt CBD gegenüber THC?
Nicht jedes Cannabis-Produkt wirkt gleich auf den Kreislauf. Der entscheidende Unterschied liegt im Verhältnis von THC zu CBD. Während THC für die psychoaktiven und kurzfristig blutdrucksteigernden Effekte verantwortlich ist, zeigt CBD eine eher gegenteilige Wirkung.
CBD und der Blutdruck
Untersuchungen deuten darauf hin, dass CBD den Blutdruck in Ruhe und in Stresssituationen leicht senken kann. In einer kleinen Studie sank der Ruheblutdruck nach einer einmaligen hohen Dosis von 600 mg um etwa 6 mmHg. Ob sich das auf übliche Dosierungen und eine Dauertherapie übertragen lässt, ist offen. Hochdosiertes THC hingegen: wie es etwa in starken Sorten wie der GMO Sorte oder Platinum Garlic vorkommt: kann die Herzrate stärker erhöhen und den Kreislauf stärker belasten. Das gilt erst recht für hochkonzentrierte Produkte wie THC Kristalle.
THCA, Hanftee und Hanfsamen
Auch rohes THCA, die nicht erhitzte Vorstufe von THC, wirkt kaum psychoaktiv und wird deshalb manchmal als sanftere Alternative genannt. Belastbare Daten zum Blutdruck gibt es dafür aber kaum. Ähnliches gilt für Hanftee, der je nach Zubereitung nur geringe Mengen Wirkstoff enthält. Hanfsamen liefern zwar herzfreundliche Fettsäuren, ersetzen aber keine Blutdrucktherapie.
Cannabis und Blutdruckmedikamente: Wechselwirkungen
Wer Blutdrucksenker einnimmt, sollte wissen, dass Cannabis deren Wirkung beeinflussen kann. Der wichtigste Effekt ist einfach: Cannabis kann den Blutdruck nach dem ersten Anstieg zusätzlich senken, und zusammen mit Blutdruckmitteln addiert sich das. Patienten berichten dann von verstärktem Schwindel, vor allem beim Aufstehen. Hinzu kommt der Abbau in der Leber: THC wird vor allem über die Enzyme CYP2C9 und CYP3A4 verstoffwechselt, CBD kann mehrere dieser Enzyme hemmen.
Welche Medikamente betroffen sein können
Ob eine Wechselwirkung relevant ist, hängt vom Wirkstoff, der Dosis und deinem Cannabisprodukt ab. Die Tabelle zeigt typische Beispiele, ersetzt aber keine ärztliche oder pharmazeutische Prüfung. Setz deine Blutdruckmittel nie eigenmächtig ab oder um.
Was du bei ACE-Hemmern konkret beachten solltest, erklärt der Beitrag Ramipril und Medizinalcannabis. Sprich vor Beginn einer Cannabistherapie offen über alle Medikamente, die du einnimmst.
Merke dir: Wer Blutdruckmittel nimmt und gleichzeitig Cannabis konsumiert, sollte das immer ärztlich abklären lassen und den Blutdruck in der Anfangszeit regelmäßig messen.
Risikogruppen: Wer besonders aufpassen sollte
Nicht jeder Mensch reagiert gleich auf Cannabis. Es gibt Personengruppen, für die der Kreislaufeffekt besonders relevant oder gefährlich sein kann.
- Menschen mit Herzerkrankung oder Rhythmusstörungen
- Personen mit medikamentös behandeltem Bluthochdruck
- Patienten nach Herzinfarkt oder Schlaganfall
- Ältere Menschen mit empfindlichem Kreislauf
- Mischkonsum mit Weed und Alkohol
- Neigung zu Angst– oder Panikattacken
Wer zur Risikogruppe gehört, sollte Cannabis: ob medizinisch oder freizeitlich: nur nach ärztlicher Rücksprache konsumieren.
Auch für Menschen mit ADHS, die Cannabis therapeutisch einsetzen, wie es im Erfahrungsbericht ADHS und Cannabis beschrieben wird, sind Kreislaufeffekte ein relevantes Thema, das individuell bewertet werden muss. Wer unsicher ist, ab welcher Menge es kritisch wird, findet Hinweise im Ratgeber Zu viel Cannabis.
Warnzeichen: Wann du Hilfe brauchst
Ein schneller Puls nach dem Konsum ist häufig, die meisten Beschwerden klingen von selbst ab. Bestimmte Symptome sind aber Alarmzeichen und sollten nie abgewartet werden. Bei diesen Anzeichen rufst du sofort den Notruf 112.
- Brustschmerzen oder Engegefühl
- Atemnot
- Plötzliche starke Kopfschmerzen
- Seh- oder Sprachstörungen
- Taubheit oder Lähmung einseitig
Entzug: Steigt der Blutdruck beim Aufhören?
Viele suchen gezielt nach Bluthochdruck im Cannabis-Entzug. Tatsächlich zeigte eine kleine Studie mit täglichen Konsumenten, dass der Blutdruck in der Abstinenzphase bei einem Teil der Teilnehmer deutlich anstieg. Eine spätere Untersuchung konnte diesen Effekt allerdings nicht bestätigen. Wer stark und regelmäßig konsumiert und bereits Bluthochdruck hat, sollte beim Aufhören deshalb seinen Blutdruck kontrollieren.
- Bei manchen: Anstieg im Entzug
- Nicht in allen Studien
- Bei Hypertonie: regelmäßig messen
Weitere typische Beschwerden und was dagegen hilft, liest du im Beitrag zum Weed Entzug.
Cannabis & Blutdruck: das Wichtigste auf einen Blick
Der Einfluss von Cannabis auf den Blutdruck und den Kreislauf ist vielschichtig und hängt stark von Faktoren wie der Dosierung, dem THC-CBD-Verhältnis, der Konsumhäufigkeit und dem individuellen Gesundheitszustand ab. Kurzfristig steigt der Blutdruck oft an, mittelfristig kann er sinken: und chronischer Konsum bringt wiederum andere Dynamiken mit sich. Eine pauschale Antwort gibt es nicht, aber eine klare Empfehlung: Wer gesundheitliche Vorerkrankungen hat oder Cannabis medizinisch nutzen möchte, sollte diesen Schritt gemeinsam mit einem Arzt gehen. Eine ärztlich begleitete Behandlung klärt Dosis, Produkt und Wechselwirkungen.
- Erst Anstieg, dann Abfall
- CBD eher senkend
- Wechselwirkungen ärztlich prüfen
- Langsam dosieren, Blutdruck messen
Cannabis Blutdruck: häufige Fragen
Erhöht oder senkt Cannabis den Blutdruck?
Beides ist möglich, je nach Zeitpunkt: Erst steigen Blutdruck und Puls kurz an, danach kann der Druck unter den Ausgangswert fallen. Wie stark, hängt von Dosis, THC-CBD-Verhältnis und Konsumhäufigkeit ab.
- Kurzfristig: Anstieg
- Danach: Abfall möglich
- Abhängig von Dosis
Warum wird mir nach dem Kiffen schwindelig?
Schwindel entsteht meist durch den Blutdruckabfall nach der ersten Reaktion, die sogenannte orthostatische Hypotonie. Sie ist meist harmlos, bei niedrigem Blutdruck aber stärker ausgeprägt.
- Ursache: Blutdruckabfall
- Langsam aufstehen
- Stärker bei niedrigem Blutdruck
Ist Cannabis bei Bluthochdruck gefährlich?
Akuter Konsum kann den Blutdruck kurzfristig erhöhen und das Herz zusätzlich belasten, besonders bei Herzerkrankungen. Wer zur Risikogruppe zählt, konsumiert nur nach ärztlicher Rücksprache.
- Akut: Blutdruck steigt
- Risiko bei Herzerkrankung
- Nur nach Arztrücksprache
Kann ich Cannabis mit Blutdruckmedikamenten kombinieren?
Wechselwirkungen sind möglich, vor allem eine verstärkte Blutdrucksenkung und Effekte über Leberenzyme. Das muss vor Beginn ärztlich abgeklärt werden.
- Wechselwirkungen möglich
- Vorher Arzt fragen
- Blutdruck regelmäßig messen
Senkt Cannabis den Blutdruck dauerhaft?
Dafür gibt es keine belastbaren Belege, Cannabis ist kein zugelassener Blutdrucksenker. Bei Bluthochdruck bleibt die Therapie mit bewährten Medikamenten der Standard.
- Kein Blutdrucksenker
- Keine Langzeitbelege
- Therapie nicht absetzen
Wirkt CBD anders auf den Blutdruck als THC?
Ja, CBD kann den Blutdruck leicht senken, THC treibt ihn kurzfristig eher nach oben. Hochdosiertes THC erhöht die Herzrate besonders stark.
- CBD: eher senkend
- THC: eher steigernd
- Hohe THC-Dosis: stärker































