Europas meistgesuchter Cannabis-Schmuggler: Howard Marks alias Mr Nice
Er soll zeitweise 43 Aliasnamen und 89 Telefonanschlüsse gleichzeitig unterhalten haben, arbeitete angeblich sowohl mit der IRA als auch mit dem britischen Geheimdienst zusammen – und schmuggelte dabei über Jahrzehnte tonnenweise Haschisch um die halbe Welt, fast vollständig ohne Gewalt. Howard Marks, besser bekannt unter seinem Spitznamen „Mr Nice“, gilt bis heute als einer der kreativsten und zugleich gewaltfreiesten Drogenschmuggler der Geschichte. Wie ein Oxford-Absolvent zu Europas meistgesuchtem Cannabis-Händler wurde, erfährst du hier.
Vom Physikstudenten zum Schmuggler
Dennis Howard Marks wird 1945 im walisischen Kenfig Hill geboren und studiert Physik am renommierten Balliol College in Oxford. Noch während seines Studiums beginnt er, kleine Mengen Cannabis für den Eigenbedarf von Freunden zu importieren – ein Nebenerwerb, der sich über die folgenden Jahre zu einem der größten Haschisch-Schmuggelnetzwerke der Welt entwickelt.
Schon gewusst? Marks behauptete später, für seine Schmuggeloperationen zeitweise auch Verbindungen zum britischen Geheimdienst MI6 genutzt zu haben – eine Behauptung, die ihm vor Gericht sogar einmal einen Freispruch einbrachte, da die Anklage die Verbindung nicht vollständig widerlegen konnte.
Ein Netzwerk ohne Gewalt
Anders als viele seiner Zeitgenossen im Drogengeschäft setzt Marks nahezu ausschließlich auf Kreativität statt Gewalt: Haschisch wird in Lautsprecherboxen von Musikbands versteckt, über Frachtschiffe und ein weites Netz internationaler Zwischenhändler bewegt. Über seine Karriere hinweg soll er mit äußerst unterschiedlichen Gruppierungen zusammengearbeitet haben – von der irischen IRA bis zu kolumbianischen Kartellen.
- Studium der Physik in Oxford, früher Einstieg in den Cannabis-Schmuggel
- Kreative Schmuggelmethoden, unter anderem versteckt in Lautsprecherboxen
- Zusammenarbeit mit einer ungewöhnlich breiten Palette internationaler Partner
Festnahme, Auslieferung, Haft
Nach Jahrzehnten erfolgreichen Schmuggels gerät Marks schließlich ins Visier einer koordinierten DEA-Operation, wird verhaftet und an die USA ausgeliefert. 1990 wird er zu 25 Jahren Haft verurteilt und verbringt rund sieben Jahre im US-Bundesgefängnis Terre Haute, bevor er 1995 vorzeitig entlassen wird.
Vom Häftling zum Bestseller-Autor
Nach seiner Freilassung verarbeitet Marks seine Geschichte in der Autobiografie „Mr Nice“, die zum internationalen Bestseller wird und ihm eine zweite, deutlich legalere Karriere als Autor und gefragter Redner verschafft. 2010 wird sein Leben zusätzlich mit Rhys Ifans in der Hauptrolle verfilmt.
- 1990: Verurteilung zu 25 Jahren Haft in den USA
- 1995: vorzeitige Entlassung nach rund sieben Jahren
- Bestseller-Autobiografie „Mr Nice“, später auch verfilmt
Ein politischer zweiter Akt
Nach seiner Haftentlassung engagiert sich Marks öffentlich für die Legalisierung von Cannabis und kandidiert 1997 sogar als unabhängiger Kandidat mit genau diesem Thema für das britische Unterhaus – ein ungewöhnlicher Weg vom verurteilten Schmuggler zum öffentlichen Cannabis-Aktivisten.
Howard Marks‘ Erbe: der Gentleman-Schmuggler
Howard Marks stirbt 2016 an Krebs. Sein Fall bleibt bis heute ein seltenes Beispiel dafür, dass sich eine kriminelle Karriere im großen Stil nahezu vollständig ohne Gewalt führen lässt – und dass sich aus einer solchen Geschichte am Ende sogar eine respektierte zweite Karriere als Autor und politischer Aktivist entwickeln kann.
























