Linnemann zu Cannabis-Import: 300 Tonnen und scharfe Kritik an Telemedizin

Zuletzt aktualisiert: 16. September 2026

Vom 15. bis 17. September 2026 trifft sich die deutsche Apothekerschaft in München zum Deutschen Apothekertag. Zur Eröffnung hielt Bundesgesundheitsminister Carsten Linnemann (CDU) ein Grußwort – neben dem Wettbewerb durch ausländische Versandapotheken sprach er dabei ein zweites, deutlich schärferes Thema an: den stark steigenden Import von medizinischem Cannabis. Was er dazu konkret gesagt hat, hier im Überblick.

Apothekertag 2026: Cannabis als zweites schwieriges Thema

Cannabis Gesetz Debatte

Cannabis-Debatte in der Politik

Linnemann kündigte das Thema selbst als unangenehm an, bevor er es ansprach. Sein Kernpunkt: Seit der Teillegalisierung von Cannabis 2024 sei der Import von Cannabisblüten zu medizinischen Zwecken förmlich explodiert. Für die Apothekerinnen und Apotheker im Saal hatte er dazu konkrete Zahlen mitgebracht.

Video: Die Rede im Wortlaut (ab Minute 40)

Was Linnemann konkret gesagt hat

Die zentrale Zahl: 2023, drei Jahre vor der Legalisierung, lag der Import von Medizinalcannabis bei rund 30 Tonnen pro Jahr. Für 2026 rechnet das Gesundheitsministerium nach interner Prognose mit rund 300 Tonnen – eine Verzehnfachung innerhalb von drei Jahren.

Linnemann bewertete diese Entwicklung deutlich: In der Breite habe das nichts mehr mit „medizinal“ zu tun, sondern mit Drogenkonsum zu Rauschzwecken.

Studie: Mehr Krankenhausaufnahmen seit der Legalisierung

Als Beleg zog er eine aktuelle Studie des Instituts für Therapieforschung heran. Sie untersucht, ob Krankenhausaufnahmen mit cannabisbedingten Diagnosen seit 2024 zugenommen haben – akute Vergiftungen und Psychosen inklusive. Das Ergebnis laut Linnemann: ein relevanter Anstieg, sowohl bei Erwachsenen als auch bei Jugendlichen.

Als möglichen Grund nannte er den gestiegenen Konsum besonders hochpotenten Cannabis mit hohem THC-Gehalt. Auch international werde die deutsche Entwicklung mit Sorge beobachtet, so Linnemann – der Suchtstoffkontrollrat der UN habe wiederholt gesetzliche Gegenmaßnahmen angemahnt.

Kritik an Telemedizin-Plattformen

Den schärfsten Teil der Rede richtete Linnemann gegen bestimmte Telemedizin-Plattformen, die Cannabisblüten per Privatrezept vermitteln. Viele davon sitzen laut Linnemann im Ausland und bieten nur einen Fragebogen statt eines echten Arztkontakts an – ohne Mengenbegrenzung und vergleichsweise günstig.

  • Fragebogen statt echtem Arztgespräch
  • Keine Begrenzung der Menge
  • Günstiger Zugang per Versandhandel

Wörtlich sagte er dazu: „Konsumcannabis auf Knopfdruck per Versandhandel, das hat nichts mehr mit Gesundheitsversorgung zu tun.“

Ausblick: Was als Nächstes passiert

Linnemann kündigte an, sich als Gesundheitsminister für Gegenmaßnahmen einzusetzen, ohne bereits ein fertiges Gesetz zu präsentieren. Er bedankte sich ausdrücklich bei Georg Kippels, der zu dem Thema innerhalb der Koalitionsfraktion im Bundestag im Gespräch steht – diese Gespräche müssten nach Linnemanns Worten „zum Erfolg kommen“.

Neu ist die Richtung nicht: Schon im Oktober 2025 hatte die CDU genau diese Ziele formuliert — Arztpflicht statt Fragebogen und ein Versandverbot für Cannabis. Linnemann setzt als Gesundheitsminister nun um, was seine Partei damals als Fraktion angekündigt hatte.

Häufige Fragen zur Linnemann-Rede

Wie stark ist der Cannabis-Import gestiegen?
Von rund 30 Tonnen (2023) auf prognostizierte 300 Tonnen (2026).

  • Verzehnfachung in 3 Jahren
  • Zahlen laut Gesundheitsministerium

Was kritisiert Linnemann an Telemedizin-Plattformen?
Fragebogen statt echtem Arztkontakt, keine Mengenbegrenzung.

  • Viele Anbieter sitzen im Ausland
  • Günstiger Zugang per Versand

Welche Gegenmaßnahmen kündigt er an?
Noch kein fertiges Gesetz, aber klare Ankündigung.

  • Gespräche laufen in der Koalition
  • Georg Kippels als Ansprechpartner im Bundestag

Ändert sich sofort etwas für Patienten?
Nein, aktuell handelt es sich um eine politische Ankündigung.

  • Kein neues Gesetz beschlossen
  • Bestehende Rezepte bleiben gültig

Cannabis-Politik in Deutschland: weitere Entwicklungen

Die Rede reiht sich ein in eine ganze Serie politischer Debatten rund um das Cannabisgesetz seit 2024.

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TW

Thomas Weber

Pharmazeutisch-Kaufmännischer Angestellter

Thomas arbeitet seit Jahren in der Apotheke und erklärt Cannabisprodukte aus pharmazeutischer Sicht: Qualität, Lagerung und Wechselwirkungen.