Cali: Die Stadt hinter dem anderen kolumbianischen Kartell

Zuletzt aktualisiert: 3. Februar 2026
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Während in Medellín Bomben explodierten und Auftragsmörder die Straßen unsicher machten, setzte man in der Nachbarstadt auf ein ganz anderes Geschäftsmodell: Diskretion statt Gewalt, Bestechung statt Terror. Cali, Kolumbiens drittgrößte Stadt, wurde zum Sitz eines der mächtigsten Drogenkartelle der Welt – und blieb doch für viele Jahre erstaunlich unauffällig. Wie eine ganze Stadt zum leiseren Gegenpol des Medellín-Kartells wurde, erfährst du hier.

Eine Stadt zwischen Zucker, Salsa und Schmuggel

Cali liegt im Südwesten Kolumbiens und ist historisch geprägt durch Zuckerrohr-Wirtschaft und eine lebendige Kulturszene, die die Stadt bis heute zur international bekannten „Salsa-Hauptstadt“ macht. Parallel zu dieser legalen wirtschaftlichen und kulturellen Entwicklung wächst in den 1970er- und 1980er-Jahren jedoch eine zweite, illegale Wirtschaft heran.

Schon gewusst? Das Cali-Kartell soll über Jahre erheblichen Einfluss in kolumbianischen Wirtschafts- und Politikkreisen ausgeübt haben, indem es gezielt in legale Unternehmen investierte und sich so eine scheinbar respektable Fassade aufbaute.

Diskretion als Geschäftsstrategie

Im Gegensatz zum konfrontativen und öffentlich sichtbaren Vorgehen des Medellín-Kartells unter Pablo Escobar verfolgt das Cali-Kartell konsequent eine Strategie der Zurückhaltung: Bestechung von Beamten, diskrete Geschäftsbeziehungen und der bewusste Verzicht auf spektakuläre Gewaltakte gegen den Staat.

  • Drittgrößte Stadt Kolumbiens, bekannt als „Salsa-Hauptstadt“
  • Aufstieg des Cali-Kartells als leiserer Gegenpol zu Medellín
  • Strategie der Bestechung und Diskretion statt offener Gewalt

Der Fall der „Gentlemen des Kokains“

Die Rodríguez-Orejuela-Brüder als führende Köpfe des Kartells werden zeitweise als „Die Gentlemen des Kokains“ bezeichnet – ein Spitzname, der ihre bewusst zurückhaltende Selbstdarstellung im Vergleich zu Escobars Brutalität unterstreicht. Nach Escobars Tod 1993 übernimmt das Cali-Kartell zeitweise eine dominante Stellung im internationalen Kokainhandel.

Der Niedergang in den 1990ern

Mitte der 1990er-Jahre gelingt kolumbianischen und US-Behörden ein entscheidender Schlag gegen die Kartellführung, was zur Zerschlagung der zentralen Struktur führt. Anschließend zersplittert der Kokainhandel in der Region in zahlreiche kleinere, weniger zentral organisierte Gruppen.

  1. 1990er: Aufstieg zur dominierenden Kraft im internationalen Kokainhandel
  2. Festnahme der zentralen Führungsfigur nach jahrelangen Ermittlungen
  3. Zersplitterung des Kokainhandels in kleinere Nachfolgestrukturen

Cali heute: mehr als eine Kartell-Geschichte

Jenseits seiner Drogenvergangenheit ist Cali heute vor allem als kulturelles Zentrum Kolumbiens bekannt, insbesondere für seine lebendige Salsa-Szene, die jährlich tausende Besucher aus aller Welt anzieht.

Cali: Erbe einer Stadt zwischen zwei Gesichtern

Kaum eine kolumbianische Stadt zeigt so deutlich die Doppelnatur zwischen kulturellem Reichtum und krimineller Vergangenheit wie Cali. Die Geschichte des Cali-Kartells bleibt untrennbar mit dem Bild dieser vielschichtigen Stadt verbunden.

TW

Thomas Weber

Pharmazeutisch-Kaufmännischer Angestellter

Thomas arbeitet seit Jahren in der Apotheke und erklärt Cannabisprodukte aus pharmazeutischer Sicht: Qualität, Lagerung und Wechselwirkungen.