Hunderte Drogen aus einem Gartenlabor: Wie Alexander „Sasha“ Shulgin MDMA wiederentdeckte
In einem kleinen Labor auf seinem eigenen Grundstück in Kalifornien synthetisierte ein einzelner Chemiker über Jahrzehnte hunderte neue psychoaktive Substanzen – und testete viele davon zunächst an sich selbst. Alexander „Sasha“ Shulgin gilt als einer der einflussreichsten und zugleich umstrittensten Chemiker der Psychopharmakologie-Geschichte, vor allem weil er 1976 eine fast vergessene Substanz neu entdeckte: MDMA. Wie ein Gartenlabor die Drogengeschichte des zwanzigsten Jahrhunderts prägte, erfährst du hier.
Vom Konzern zum eigenen Labor
Alexander Shulgin arbeitet zunächst als Chemiker für den Konzern Dow Chemical, bevor er sich in den 1960er-Jahren zunehmend eigenständig der Erforschung psychoaktiver Substanzen zuwendet. Auf seinem privaten Grundstück in Lafayette, Kalifornien, baut er sich ein eigenes Chemielabor auf, für das er sich sogar eine offizielle Forschungslizenz der US-Drogenbehörde DEA für Schedule-I-Substanzen sichert.
Schon gewusst? MDMA wurde ursprünglich bereits 1912 von einem anderen Chemiker synthetisiert, geriet danach jedoch weitgehend in Vergessenheit. Erst Shulgins Neuentdeckung und systematische Untersuchung der Substanz 1976 machte MDMA später weltweit bekannt.
Selbstversuche im kleinen Kreis
Gemeinsam mit seiner Frau Ann Shulgin und einer kleinen, vertrauten Gruppe von Freunden, intern „die Gruppe“ genannt, testet Shulgin systematisch die Wirkung neu synthetisierter Substanzen zunächst in kontrollierten, kleinen Dosierungen an sich selbst, bevor er die Ergebnisse detailliert dokumentiert.
- Aufbau eines privaten Chemielabors mit DEA-Forschungslizenz
- 1976: Neuentdeckung und Untersuchung von MDMA
- Systematische Selbstversuche gemeinsam mit Ehefrau Ann und engem Freundeskreis
MDMA zwischen Therapie und Partydroge
Zunächst führt Shulgin MDMA in psychotherapeutische Kreise ein, wo es in den späten 1970er- und frühen 1980er-Jahren von einigen Therapeuten als unterstützendes Mittel in Gesprächstherapien eingesetzt wird. Erst in den 1980er-Jahren verbreitet sich die Substanz zunehmend auch als Partydroge, bevor sie 1985 in den USA endgültig verboten wird.
PIHKAL und TIHKAL
In den gemeinsam mit seiner Frau verfassten Büchern „PIHKAL“ und „TIHKAL“ dokumentiert Shulgin detailliert hunderte selbst synthetisierte Substanzen samt genauer Syntheseanleitungen und eigener Erfahrungsberichte – ein bis heute einzigartiges, wenn auch kontroverses Werk in der Geschichte der Psychopharmakologie.
- 1985: Offizielles Verbot von MDMA in den USA
- Veröffentlichung der Bücher PIHKAL und TIHKAL mit Ehefrau Ann
- 1994: Razzia der DEA in Shulgins Labor und Entzug seiner Forschungslizenz
Sasha Shulgins Erbe: der Chemiker aus dem Gartenlabor
Kaum ein einzelner Chemiker hat die moderne Drogengeschichte so nachhaltig geprägt wie Alexander Shulgin mit seinem Gartenlabor. Seine Wiederentdeckung von MDMA und seine detaillierte Dokumentationsarbeit bleiben bis heute ein zentraler, wenn auch umstrittener Bezugspunkt der Psychopharmakologie.























