Exilby (VER-01): Neues Cannabis-Schmerzmittel gegen Opioide?

Zuletzt aktualisiert: 30. August 2026

Exilby (VER-01) – Seit dem 1. September 2026 gibt es in Deutschland und Österreich mit Exilby erstmals ein zugelassenes, verschreibungspflichtiges Schmerzmittel auf Basis eines standardisierten Cannabis-Vollextrakts: Für rund 11 Euro am Tag soll es vor allem eine Zielgruppe ansprechen, die bislang auf Opioide angewiesen war. Zugelassen wurde der Wirkstoff bereits im Mai 2026, was die Studie wirklich zeigt und warum der Deutsche Hanfverband die Zulassung „skandalös“ nennt, ordnen wir hier in die aktuelle Cannabis-Studienlage ein. Preis, Tropfen, Apotheke, kaufen, Dosierung, alles zu Exilby.

Was ist Exilby (VER-01)?

Exilby wird als Tropfen eingenommen und ist der Handelsname für den Wirkstoff VER-01, einen standardisierten Cannabis-Vollextrakt des Münchener Biopharma-Unternehmens Vertanical. Gegründet wurde die Firma von Dr. Clemens Fischer, der VER-01 bereits seit 2019 als ärztliche Rezeptursubstanz anbietet. Anders als klassische Cannabisblüten ist der Extrakt in einem GMP-konformen Verfahren exakt auf einen festen Cannabinoid-Gehalt standardisiert und lässt sich dadurch reproduzierbar dosieren.

Im Überblick: 

  • Exilby (VER-01): Cannabis-Schmerzmittel
  • Seit 1. September 2026 erhältlich
  • Verschreibungspflichtige Tropfen
  • Standardisierter Cannabis-Vollextrakt
  • Rund 11 € pro Tag
  • Wirkstoff: VER-01
  • Hersteller: Vertanical
  • Seit Mai 2026 zugelassen
  • Fester Cannabinoid-Gehalt
  • Präzise dosierbar
  • Alternative zu Cannabisblüten

Die tägliche Dosis liegt zwischen 2,5 und 32,5 Milligramm und wird von den Patient:innen nach Bedarf selbst titriert – ein Punkt, den auch das Video von WELT zum Marktstart aufgreift: „Man sucht sich die Dosis selber.“

Die Zulassungsstudie: Was die Daten wirklich zeigen

Was sagen die Studien?

So wurde die Exilby-Studie durchgeführt

Grundlage der Zulassung ist eine Phase-III-Studie, doppelblind und placebokontrolliert, mit über 3.100 Teilnehmenden aus Deutschland, Österreich, Polen, Großbritannien und Spanien. Der Schwerpunkt lag auf chronischen Rückenschmerzen. Vor Studienbeginn mussten andere Schmerzmittel mindestens zwei Wochen und andere Therapien acht Wochen abgesetzt werden, um einen sauberen Vergleich zu ermöglichen.

Studiendurchführung: 

  • Phase-III-Zulassungsstudie
  • Über 3.100 Teilnehmende
  • Fokus: chronische Rückenschmerzen
  • Schmerzmittel vorher abgesetzt
  • Andere Therapien acht Wochen pausiert

Das zeigen die Ergebnisse der Exilby-Studie

Auf der Schmerzskala berichteten die Exilby-Patient:innen im Schnitt von 1,9 Punkten weniger Schmerz, die Placebo-Gruppe von 1,4 Punkten weniger. Bei neuropathischen Schmerzen fiel der Unterschied etwas deutlicher aus, rund 30 Prozent der Teilnehmenden erlebten eine dauerhafte Verbesserung. Entzugssymptome oder Hinweise auf ein Abhängigkeitspotenzial wurden in der Studie nicht beobachtet.

Der Unterschied von 0,5 Punkten zur Placebogruppe gilt nach internationalen Standards nicht als klinisch relevant – das kritisieren unabhängige Fachleute an der Studie, auch wenn der Effekt statistisch signifikant ist.

Diese Lücke zwischen „statistisch signifikant“ und „klinisch relevant“ ist kein Sonderfall bei Cannabis-Präparaten: Auch die Cochrane-Übersichtsarbeiten zu chronischem neuropathischem Schmerz kommen bei vielen Cannabis-Präparaten zu einer ähnlich vorsichtigen Einschätzung.

Unabhängige Cochrane-Reviews zu Cannabis-Präparaten bei chronischen und neuropathischen Schmerzen kommen im Schnitt zu einer vorsichtigeren Bewertung als Herstellerangaben: Sie sprechen meist von einem möglichen, aber moderaten bis geringen Nutzen bei insgesamt niedriger bis mittlerer Evidenzqualität. Das heißt nicht, dass Exilby wirkungslos ist – es heißt, dass die Datenlage bei Cannabis-Schmerzmitteln generell strenger interpretiert werden sollte als bei klassischen Analgetika.

Die Studien-Ergebnisse: 

  • 30 % dauerhaft verbessert
  • Keine Entzugssymptome
  • Kein Abhängigkeitspotenzial beobachtet

Exilby vs. Opioide: Was ist wirklich dran?

Vertanical-Gründer Fischer positioniert Exilby ausdrücklich als Alternative zu Opioiden: Ziel sei es, rund 20 Prozent der etwa 200 Millionen jährlichen Opioid-Verschreibungen in Europa und den USA zu ersetzen. Das wichtigste Argument dafür ist das in der Studie nicht beobachtete Abhängigkeitspotenzial.

◄ ► Slide Tabelle einfach nach links und rechts
Kriterium Exilby (VER-01) Klassische Opioide
Abhängigkeitsrisiko In Studie nicht beobachtet Hoch, gut belegt
Schmerzreduktion vs. Placebo 0,5 Punkte (Kritik: nicht klinisch relevant) Deutlich stärker, aber kurzfristig
Preis pro Tag ca. 11 Euro Meist günstiger als Exilby
Direkter Studienvergleich Nur vs. Placebo, nicht vs. Opioide

Wichtig für die Einordnung: Die Zulassungsstudie hat Exilby ausschließlich gegen Placebo getestet, nicht gegen Opioide selbst. Der Opioid-Vergleich ist damit bislang vor allem eine Positionierung des Herstellers, keine belegte Überlegenheit aus einem direkten Kopf-an-Kopf-Vergleich.

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Arzt und Apotheke: Wer bekommt Exilby verschrieben?

Exilby richtet sich in erster Linie an Patient:innen mit chronischen Rückenschmerzen, bei denen andere Therapien nicht ausreichend gewirkt haben oder mit erheblichen Nebenwirkungen verbunden waren. Die Verordnung läuft wie bei anderen Cannabis-Fertigarzneimitteln über eine ärztliche Verschreibung.

  • Chronische, meist neuropathische Rückenschmerzen
  • Vorherige Standardtherapien unzureichend wirksam
  • Ärztliche Verordnung und Begleitung notwendig
  • Als gesetzlich Versicherte:r: sechsmonatiger Fertigarzneimittel-Therapieversuch bei Neupatient:innen

Wer bereits privat oder auf eigene Kosten mit Cannabis-Extrakten behandelt wird, findet einen Überblick über Alternativen und Dosierungsfragen in unserem Ratgeber zu Cannabis-Dosierung für Einsteiger-Patienten.

Wie bekommt man Exilby verschrieben?

Exilby ist verschreibungspflichtig und kann nicht einfach frei in der Apotheke gekauft werden. Patient benötigen zunächst ein Rezept von einer Ärztin oder einem Arzt. Mit diesem Rezept kann Exilby anschließend über eine Apotheke bezogen werden. Ob Exilby für die jeweilige Erkrankung infrage kommt und die Krankenkasse die Kosten übernimmt, muss individuell geklärt werden.

Vom Rezept zur Apotheke: 

  1. Nur mit Rezept
  2. Arztbesuch erforderlich
  3. Kauf über Apotheke
  4. Nicht frei verkäuflich
  5. Kassenübernahme individuell

Exilby: Das erste zugelassene Cannabis-Schmerzmittel in Extraktform

Exilby von Vertanical ist ein zugelassenes Cannabis-Schmerzmittel auf Basis eines standardisierten Vollextrakts. Exilby ist verschreibungspflichtig: Wer Exilby Tropfen kaufen möchte, benötigt daher ein ärztliches Rezept und erhält das Medikament über eine Apotheke. Der Exilby Preis liegt bei rund 11 Euro pro Tag, wobei die tatsächlichen Kosten von der individuellen Exilby Dosierung abhängen können.

Die Zulassungsstudie mit mehr als 3.100 Patient zeigte zwar eine stärkere Schmerzreduktion als Placebo, der Unterschied von 0,5 Punkten gilt jedoch als klinisch nicht relevant. Ein direkter Vergleich mit Opioiden fehlt bislang.

  • Exilby (VER-01) von Vertanical
  • Verschreibungspflichtige Cannabis-Tropfen
  • Exilby kaufen: nur mit Rezept
  • Bezug über die Apotheke
  • Preis: rund 11 Euro täglich
  • Dosierung individuell angepasst
  • Über 3.100 Studienteilnehmende
  • Kein direkter Vergleich mit Opioiden

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Häufige Fragen zu Exilby und VER-01

Hier noch die typischen Fragen, die man sich zu Exiliby stellt:

Was ist der Unterschied zwischen Exilby und Cannabisblüten?

Exilby ist ein standardisierter Cannabis-Vollextrakt mit festem Cannabinoid-Gehalt, während Cannabisblüten in ihrer Wirkstoffkonzentration natürlich schwanken. Das macht Exilby präziser dosierbar, aber auch teurer.

  • Fester Cannabinoid-Gehalt
  • Präzise dosierbar
  • Als Extrakt weiterhin kassenfähig

Ist Exilby besser als Opioide?

Ein direkter Vergleich fehlt: Die Zulassungsstudie testete nur gegen Placebo. Der Hersteller argumentiert mit dem fehlenden Abhängigkeitspotenzial, ein Wirksamkeitsvorteil gegenüber Opioiden ist damit aber nicht bewiesen.

  • Kein direkter Studienvergleich zu Opioiden
  • Kein beobachtetes Abhängigkeitspotenzial
  • Wirksamkeit vs. Placebo knapp über der Signifikanzschwelle

Warum ist der Deutsche Hanfverband gegen Exilby?

Der DHV kritisiert nicht in erster Linie die Studienlage, sondern politische Spenden des Vertanical-Gründers Clemens Fischer an CDU/CSU, SPD und FDP vor der Bundestagswahl und einen daraus möglichen Interessenkonflikt bei der Zulassung.

  • Vorwurf politischer Einflussnahme
  • Über eine halbe Million Euro Parteispenden
  • Bezeichnung als „Lex Fischer“

Übernimmt die Krankenkasse die Kosten für Exilby?

Da Exilby ein zugelassenes Fertigarzneimittel auf Extraktbasis ist, bleibt es nach der GKV-Reform 2026 grundsätzlich erstattungsfähig, sofern die üblichen Voraussetzungen für eine Cannabis-Verordnung erfüllt sind.

  • Fertigarzneimittel bleibt erstattungsfähig
  • Ärztliche Begründung notwendig
  • Antragsweg wie bei anderen Extrakten

Preis, was kostet Exilby ohne Kassenübernahme?

Der Hersteller nennt einen Tagespreis von rund 11 Euro, was bei einer Dauertherapie ohne Erstattung mehrere hundert Euro im Monat bedeuten kann.

  • Rund 11 Euro pro Tag
  • Ohne Erstattung mehrere hundert Euro monatlich
  • Dosis individuell titrierbar
TW

Thomas Weber

Pharmazeutisch-Kaufmännischer Angestellter

Thomas arbeitet seit Jahren in der Apotheke und erklärt Cannabisprodukte aus pharmazeutischer Sicht: Qualität, Lagerung und Wechselwirkungen.